Auf, auf und davon!
25.10.2019
Im Mittelalter geisterten unzählige Mythen umher, beispielsweise sollen angeblich Schwalben im Sümpfen überwintert haben aus denen sie dann im Frühjahr wieder emporstiegen. Heute ist Vogelzug ein intensives Forschungsthema. Noch immer sind zahlreiche Fragen unbeantwortet, jedoch weiß man durch die anfänglichen Beringungsexperimente, die auch heute noch betrieben werden, und dann vor allem durch neueste Techniken wie Satelliten-Telemetrie, deutlich mehr über die Zugwege, die Zugdauer, die Orientierung und ebenso dann auch über physiologische Fähigkeiten unserer Vögel.
Besonders faszinierend sind die unglaublichen körperlichen Leistungen, die die Vögel zweimal im Jahr vollbringen. Zum einen müssen die Arten im Spätsommer und Herbst rechtzeitig die kalten, nahrungsarmen Regionen verlassen, zum anderen müssen sie im Frühjahr pünktlich in ihren Brutgebieten ankommen, um ausreichend Zeit zu haben um ihre Jungen in ein bis zwei Jahresbruten großzuziehen.

Nahezu der gesamte Erdball wird durch den Vogelzug in irgendeiner Weise, von zumindest einzelnen Arten überflogen.
Allgemein unterscheidet man zwischen Kurzstreckenziehern, welche von uns bis etwa ins Mittelmeergebiet fliegen, und Langstreckenziehern, die zumindest über die Sahara hinweg teils bis nach Südafrika oder gar weiter ziehen. Unsere Rauchschwalben beispielsweise überwintern bis in Südafrika und kommen dann pünktlich Anfang April bei uns wieder an. Besonders unglaublich scheinen die mehrere tausend Kilometer umfassende Nonstop-Flüge mancher Arten. Es ist schwer vorstellbar, wie ein Lebewesen, dass gerade einmal 20-30 g wiegt, Strecken von 1500 km ohne Landung zurücklegen kann, beispielsweise bei der Wüstenüberquerung. Unter den Vogelarten findet man sogar extreme Nonstop-Flieger, wie die Ufer- und die Pfuhlschnepfen, die mitunter bis zu 7000 km am Stück fliegen.

Auch viele unserer Gartenvogelarten sind Zugvögel. Im Winter beobachten wir z.B. nordische Rotkehlchen am Futterhaus während sich unsere bereits am Mittelmeer die Zeit vertreiben.

Ein kleiner Tipp:

Diese enormen Zugleistungen unserer Kleinvögel können nur mit optimalen Fettdepots und guter körperlicher Verfassung erfolgreich absolviert werden. Helfen Sie durch Ihre Gartengestaltung, durch Strukturreichtum ein hochwertiges Nahrungshabitat zu schaffen. In Spätsommer und Herbst sind insbesondere Beeren wichtig, v.a. die des Schwarzen Holunders. Die Vögel Danken es Ihnen!

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Frag den Böhm

Dürfen wir vorstellen? Stefan Böhm, Vogelexperte!

Die ganze Welzhofer-Familie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Diplom-Biologen, Artenschützer und Vogelfreund. Als 5-jähriger hat Stefan eine junge, verletzte Wacholderdrossel gefunden und gesund gepflegt. Seitdem schlägt sein Herz für die heimischen Vögel. Neben seiner Tätigkeit als Sachbuchautor und Herausgeber der Naturschutzzeitschrift „Spektiv“ ist er vor allem im Artenschutz aktiv.
Stefan Böhm ist der Welzhofer-Experte rund um Wildvögel, Artenvielfalt und Artenschutz.
Teilen Sie mit WELZHOFER Ihre Freude an Wildvögeln, Igeln und Eichhörnchen. Erzählen Sie uns von Ihren Beobachtungen und Erlebnissen. Stellen Sie Stefan Böhm Ihre Fragen.
Vogelexperte Böhm