Eichhörnchen im Schnee
12.11.2018
Wenn in diesen Winterwochen Eichhörnchen bei Schnee und Kälte durch Gärten und Parks springen, dann sieht das für uns zwar fröhlich aus, aber sie bewegen vor allem zwei Dinge: die Aufzucht ihrer ersten Jungtiere – und Hunger. Halten Sie Futter bereit!

Während draußen noch winterkalte Temperaturen herrschen, tummelt sich in den Kobeln – so nennt man die Baumnester der Eichhörnchen – bereits neues Leben: zwei bis fünf Junge bringt ein Eichhörnchen pro Wurf zur Welt. Üblicherweise erfolgt die Paarung der Eichhörnchen im Januar und die Jungtiere werden Anfang Februar geboren. Aufgrund des Klimawandels haben die Tiere allerdings heute oft schon im Dezember Frühlingsgefühle, paaren sich und bekommen ihren Nachwuchs früh. Vom Beginn des Fötenwachstums bis zum Abstillen, haben die Muttertiere einen deutlich erhöhten Nahrungsbedarf.
Nach Nagerart, werden die Eichhörnchenbabies nackt, taub und blind geboren. Sie wiegen bei Geburt nicht mehr als acht Gramm, was in etwa dem Gewicht von zwei Stückchen Würfelzucker entspricht. Erst nach vier Wochen im Baumnest sind die Tiere dank nahrhafter Muttermilch voll befellt, Augen und Ohren soweit ausgewachsen, dass sie sich für die Welt öffnen. Weitere vier Wochen vergehen, bis die Nestlinge abgestillt und zunehmend selbstständig sind. Weil aber auch Sozialverhalten erlernt sein will, folgt mit noch einmal vier Wochen Familienphase eine weitere wichtige Jungtierzeit, bis die jungen Eichkätzchen etwa zwölf Wochen nach ihrer Geburt in die komplette Eigenständigkeit entlassen werden.

In nahrungsarmer Zeit ein volles Nest mit Nachwuchs schon ab Spätwinter durchzufüttern, ist für die Eichhörnchen eine große Herausforderung. Wenngleich Eichhörnchen im Herbst – zur Zeit der Samen- und Nussreife – emsig pro Tag etwa 100 Gramm Wintervorrat verbuddelt haben, finden sie im Winter längst nicht alle Nahrungsschätze wieder. Gerade in Gärten und Parks, in denen beim herbstlichen Gartenputzen durch den Menschen zahlreiche Landmarken verschwinden, die sich die Tiere zum Wiederfinden der Wintervorräte gemerkt hatten, bleibt die Suche oft erfolglos.

Ebenso wie es längst bei der Fütterung von Gartenvögeln oder auch Igeln im Garten üblich geworden ist, lassen sich auch Eichhörnchen im Winter zufüttern. Ein ausgewogenes, artgerechtes Mischfutter enthält folgende Komponenten: gestreifte Sonnenblumenkerne, Haselnüsse in der Schale, Maiskörner, Erdnüsse, Johannisbrot, Sultaninen, Bucheckern, getrocknete Apfel- und Karottenstücke und – man mag es kaum glauben – Bananenchips. Die Fütterung der Einzelkomponenten würde zu einseitiger Ernährung führen, deshalb wird fertiges, im Nährstoffgehalt ausgewogenes Mischfutter für Eichhörnchen empfohlen. Damit kommen sie mit ihren Jungen gut durch die schwierige Phase im Winter. Und natürlich macht es große Freude, die emsigen Tierchen an der Futterstelle zu beobachten.

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Frag den Böhm

Dürfen wir vorstellen? Stefan Böhm, Vogelexperte!

Die ganze Welzhofer-Familie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Diplom-Biologen, Artenschützer und Vogelfreund. Als 5-jähriger hat Stefan eine junge, verletzte Wacholderdrossel gefunden und gesund gepflegt. Seitdem schlägt sein Herz für die heimischen Vögel. Neben seiner Tätigkeit als Sachbuchautor und Herausgeber der Naturschutzzeitschrift „Spektiv“ ist er vor allem im Artenschutz aktiv.
Stefan Böhm ist der Welzhofer-Experte rund um Wildvögel, Artenvielfalt und Artenschutz.
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