Jungvögel - Finger weg!
17.05.2019
Zu dieser Jahreszeit ist die Tierliebe und Hilfsbereitschaft der Menschen in der Natur gar nicht so gefragt. Wir befinden uns momentan in derjenigen Phase im Vogeljahr, in welcher viele Jungvögel bereits das Nest verlassen haben. Oftmals sieht man sie jetzt scheinbar hilflos auf dem Boden oder auf Ästen sitzen und hört die kläglichen Bettellaute. Keineswegs sind diese für uns bestimmte Hilfeschreie! Die Rufe gelten ausschließlich Vogeleltern um Nahrung zu bekommen. Bei den Singvogelarten ist dies ganz typisch-
sie verlassen in einem Stadium der geringen Flugfähigkeit ihr Zuhause und müssen ein paar Tage beziehungsweise wenige Wochen noch außerhalb des Nestes von ihren Eltern versorgt werden. In dieser Zeit lernen sie dann sehr rasch fliegen und sich auch selbst zu ernähren. Die Eltern ziehen sich dann immer mehr zurück bis dann auch die Jungvögel das elterliche Revier verlassen.

Gerade in dieser Phase, wenn die Jungvögel scheinbar unbeholfen in der Gegend herumsitzen, blutet uns Menschen oftmals das Herz. Dies ist fachlich überhaupt nicht erforderlich.

Nur in Notfällen, beispielsweise wenn die Eltern tatsächlich verschwunden sind und die Jungen nicht mehr füttern, können wir eingreifen. Dies zu beurteilen ist aber eher die Aufgabe eines Fachmanns um hier nicht zu voreilig Zu agieren und Schäden anzurichten. Auf keinen Fall sollten wir gesunde, versorgte Jungvögel in menschliche Obhut nehmen und sie versuchen großzuziehen. Es macht auch relativ wenig Sinn, denn für uns Menschen ist es nicht einfach einen Jungvogel aufzuziehen und ihn dann auch erfolgreich auszuwildern.

"Finger weg von den jungen Piemätzen" heißt also unser Ratschlag!

Aber natürlich können wir trotzdem einen positiven Effekt für die erfolgreiche, finale Phase der Jungenaufzucht bewirken: Beispielsweise ist es ratsam, Hauskatzen über längere Zeiträume am Tag auch einmal im Haus zu halten. Die etwas "trottelhaft" herumsitzenden Jungvögel sind sonst eine leichte Beute. Noch viel besser ist es, Versteckmöglichkeiten im Garten anbieten. In Sträuchern, Bäumen, Reisighaufen oder auch in kleinen Hecken finden die gefiederten Teenager ausgezeichnet Schutz vor Prädatoren. Von Tag zu Tag lernen sie besser fliegen und sind eigentlich nur in den ersten wenigen Stunden bis Tagen nach dem Ausflug aus dem Nest sehr gefährdet.

Ein natürlicher Schutz für die Kleinen ist daher weitaus besser, als sie in menschliche (laienhafte) Obhut zu nehmen.

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Frag den Böhm

Dürfen wir vorstellen? Stefan Böhm, Vogelexperte!

Die ganze Welzhofer-Familie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Diplom-Biologen, Artenschützer und Vogelfreund. Als 5-jähriger hat Stefan eine junge, verletzte Wacholderdrossel gefunden und gesund gepflegt. Seitdem schlägt sein Herz für die heimischen Vögel. Neben seiner Tätigkeit als Sachbuchautor und Herausgeber der Naturschutzzeitschrift „Spektiv“ ist er vor allem im Artenschutz aktiv.
Stefan Böhm ist der Welzhofer-Experte rund um Wildvögel, Artenvielfalt und Artenschutz.
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Vogelexperte Böhm