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Kernbeißer

Kernbeisser
Kernbeisser
Coccothraustes coccothraustes
April - August
1
16 - 18 cm
29 - 33 cm
ca. 48 - 62 g
Gefiederfärbung blasser als beim Männchen


Merkmale:
Der Kernbeißer ist der größte Fink Europas und fällt vor allem durch seinen kräftigen Schnabel auf. Er besitzt mit Abstand den größten Schnabel unter unseren Singvögeln im Verhältnis zur Körpergröße. Die Gestalt des Kernbeißers ist sehr gedrungen. Dies liegt vor allem am großen Kopf mit dem wuchtigen Schnabel und einem recht kurzen Schwanz.

Männchen und Weibchen sind relativ ähnlich gefärbt. Am Kopf ist der Kernbeißer gelbbraun bis rotbraun gefärbt, oftmals eher zimtfarben. Das braune Auge ist schwarz eingefasst. Auch der Kinnbereich ist schwarz. Am Rücken ist er dunkelbraun gezeichnet. Dazwischen – am Nacken – weisen Kernbeißer ein graues Nackenband auf. Unterseits sind sie bräunlich, gelbbraun bis rotbraun, meist zimtbraun gefärbt. Der Schwanz wirkt sehr dunkel grauschwarz bis schwarz und weist breite, weiße Endbinden auf. Die Flügel sind blauschwarz gefärbt und zeigen ein weißes Band, welches insbesondere im Flug ins Auge sticht. Die Weibchen sind in der Regel matter gefärbt als die Männchen.

 

Verwandtschaft:
Der Kernbeißer ist der einzige Vertreter der Gattung Coccothraustes in Mitteleuropa und steht damit "parallel" zu den bekannteren Gattungen Fringilla (z.B. Buchfink) und Carduelis (z.B. Grünfink). Als Finkenvogel ist er jedoch derselben Familie (Fringillidae) zugeordnet wie die anderen heimischen Finkenarten.

 

Verbreitung und Bestand:
Der Kernbeißer ist in Europa, Nordafrika sowie bis nach Ostasien und Südsibirien verbreitet, fehlt jedoch vereinzelt, beispielsweise auf Island. Schätzungsweise leben in Europa etwa 2,4 Millionen Individuen.

 

Zugverhalten:
Wie bei viele Arten ist auch das Zugverhalten des Kernbeißers komplex. Die in Mitteleuropa brütenden Kernbeißer sind als Standvögel zu bezeichnen, welche lediglich in den Wintermonaten umherschweifen und beispielsweise auf der Suche nach Nahrung auch an Futterstellen in die Hausgärten kommen. Die Kernbeißer-Populationen im nördlichen und östlichen Verbreitungsgebiet sind Teilzieher. Dies bedeutet, dass diese Individuen nach Mitteleuropa oder gar in den Mittelmeerraum ziehen, beispielsweise nach Spanien. Während der Wanderungen kann man ihn vornehmlich untertags gemeinsam mit anderen Finkenvögeln (v.a. Buchfink) sowie in reinen Kernbeißertrupps ziehen sehen.

 

Lebensraum:
Der Kernbeißer bewohnt lichte Laub- und Mischwälder mit gut ausgebildeter Kraut- und Strauchschicht. Typische Lebensräume sind Auwälder, beispielsweise in Süddeutschland der Donauauwald. Allgemein werden Laubwälder mit Eichen, Buchen und Eschen sowie Ahornbäumen genutzt. Reine Fichtenwälder werden dagegen nahezu gänzlich gemieden. Mitunter kommen Kernbeißer aber auch außerhalb von Wäldern in großen Gärten, Parks oder Alleen sowie auf Friedhöfen vor.

 

Ernährung:
Die Nahrung des Kernbeißers besteht vor allem aus Samen von Laubbäumen sowie aus Früchten. Hainbuche, Feld- und Bergahorn, Rotbuche sowie Kirsche und Zwetschge stellen dabei die bedeutendsten Samen-Lieferanten dar. Ähnlich wie andere Finkenvögel nehmen Kernbeißer im Frühjahr auch sehr gerne Knospen auf. Früchte diverser Baumarten aber auch Beeren von Schlehe, Hagebutte und Traubenkirsche werden sehr gerne verzehrt. Die Nestlingsnahrung besteht aus Insekten und Spinnen sowie Regenwürmern.

 

Fortpflanzung:
Die Balz beginnt beim Kernbeißer teilweise schon im Februar, vor allem dann im März. Die Reviergründung erfolgt dann zumeist zwischen Anfang und Mitte April, wobei das Männchen sozusagen den Ton angibt. Oftmals können Kernbeißer jedoch auch in kleineren Gruppen gemeinsam zur Brut schreiten. Die Wahl des Nistplatzes erfolgt letztlich durch beide Partner. Das Nest befindet sich meist am Stamm, an Astgabeln oder auch auf Seitenästen im Kronenbereich von Laubbäumen. Meist wird das Nest relativ hoch zwischen 10 und 20m Höhe erbaut, "Tiefbrüter" gibt es jedoch auch auf einer Höhe von 1-3m. Das Nest wird von beiden Partnern erbaut, wobei dem Weibchen in der Regel etwas mehr Baukunst abverlangt wird als dem Männchen.

Das Gelege ist meist ab Mai zu finden und besteht aus fünf weißen Eiern mit größeren dunklen Flecken. Gebrütet wird fast ausschließlich vom Weibchen, welches vom Männchen gefüttert wird. Vereinzelt können jedoch auch männliche Kernbeißer untertags für einige wenige Stunden diese Aufgabe übernehmen. Das Männchen füttert das Weibchen nicht auf dem Nest sondern lockt es auf einen nahegelegenen Ast, auf welchem das Weibchen dann unter Flügelzittern bettelnd das Futter entgegennimmt. Das Gelege wird etwa 12-14 Tage lang bebrütet und die Nestlinge verlassen nach ca. 10-11 Tage das Nest und werden anschließend noch bis zu 2,5 Wochen außerhalb des Nestes betreut.

 

Kernbeißer am Futterplatz:
Kernbeißer kommen meist in Einzelexemplaren oder kleinen Trupps an Futterstellen in Gärten oder Parks. Sie zählen zu den seltenen Futtergästen und erscheinen auch weder alljährlich noch alltäglich. Es ist schon eine Besonderheit, einen Kernbeißer an der garteneigenen Futterstelle beobachten zu können. Schon allein aufgrund seiner Größe verhält er sich recht dominant und vertreibt oft anfangs andere Arten. Durch die zahlenmäßige Überlegenheit beispielswiese von Grünfinken akzeptiert jedoch auch der Kernbeißer letztlich Gesellschaft. Aufgrund seines Schnabels steht im am Futterhaus ein reich gedeckter Tisch zur Verfügung. Fettfutter wird ebenso angenommen, wie Sonnenblumenkerne, Nüsse, Früchte oder Kleinsämereien.