Stieglitz

Steckbrief Stieglitz

Lateinisch

Carduelis carduelis
Brüten

April - September
Spannweite

2 - 3
Lebenserwartung

5 Jahre
Größe

12 - 13cm
Lebenserwartung

21 - 25 cm

Das schmeckt mir besonders gut

So klingt das Lied des Stieglitzs

01:06 min

Merkmale

Der Stieglitz trägt ein auffällig farbenfrohes Gefieder und zählt wohl zu den buntesten Singvögeln Mitteleuropas. Den englischen Namen Goldfinch hat er regelrecht verdient. Sehr charakteristisch ist die rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, Bauch und Bürzel weiß gefärbt. Die überwiegend schwarzen Flügel weisen eine
deutlich abgesetzte, leuchtend gelbe Binde auf. Der schwarz gefärbte Schwanz zeigt an den äußeren zwei bis drei Steuerfedern weiße Abschnitte. Der Schnabel des Stieglitzes ist, wie bei Körnerfressern üblich, kegelförmig. Er läuft spitz zu und erscheint elfenbeinfarben bis grau rosa.

Verwandschaft

Der Stieglitz zählt zur Familie der Finken (Fringillidae), zu welcher insgesamt sechs Gattungen zugehörig sind. Eine davon ist die Gattung der Zeisige (Carduelis), welche neun Arten in Europa aufweisen kann: Stieglitz, Bluthänfling, Berghänfling, Birkenzeisig, Polarbirkenzeisig, Grünfink, Erlenzeisig, Zitronenzeisig und Korsenzeisig.
Innerhalb der Art Stieglitz wiederum haben sich verschiedene Unterarten entwickelt. In Deutschland beobachten wir die in ganz Nord- und Mitteleuropa vorkommende Nominatform Carduelis carduelis carduelis.

Verbreitung und Bestand

Der Stieglitz ist von Westeuropa bis Mittelsibirien, Nordafrika sowie West- und Zentralasien verbreitet. Auf Island, im Nordwesten Schottlands sowie im Norden Skandinaviens kommt der Stieglitz hingegen nicht vor. Vom Menschen eingebürgert wurde der Stieglitz in Südamerika, Australien
sowie auf Neuseeland und einigen Inseln Ozeaniens. Die europäische Brutpopulation umfasst etwa 34 Millionen Brutpaare, in Deutschland kommen schätzungsweise 305.000 bis 520.000 Brutpaare vor.

Zugverhalten

Der Stieglitz ist größtenteils ein Standvogel, der in den Wintermonaten in größeren Trupps in der Region umherschweift.

Lebensraum

Ursprünglich war der Stieglitz in lichten Wäldern und Waldrändern zu hause. Heute besiedelt er neben ländlichen auch städtische Gebiete. Besonders entscheidend in der Habitatwahl des Stieglitzes sind stark gegliederte, blütenreiche Landschaften mit Hecken, Wäldern, Feldgehölzen und offenen Bereichen. Bäuerliche Siedlungen mit Streuobstbeständen auf blumen- und
artenreichen Wiesen und extensiver Nutzung bieten v.a. hinsichtlich der Nahrungsverfügbarkeit Idealbedingungen. in den Dörfern und Städten bewohnen Stieglitze nicht zu intensiv gepflegte Parks oder Gärten und brüten auch inmitten von Städten in Grünanlagen, baumbestandenen Schulhöfen, an Sport- oder Parkplätzen sowie auf Brach- und Industrieflächen.

Ernährung

Der Stieglitz ist fast ein reiner Vegetarier. Sein Nahrungsspektrum umfasst reife und halbreife Samen von zahlreichen Stauden, Gräsern und Bäumen. In Abhängigkeit von der Jahreszeit verändert sich auch die Ernährung dieser Vogelart. Im Winter werden vor allem Samen stehengebliebener Stauden und von verschiedenen Bäumen verzehrt. Stieglitze sind zudem häufig am Futterhaus anzutreffen. Während der Brutzeit
ernähren sie sich vornehmlich von den kleinen Samen milchreifer Korbblütler. Während viele andere körnerfressende Vögel für die Jungenaufzucht auf Insekten umsteigen, füttern Stieglitze ihren Nachwuchs vor allem mit Pflanzensamen. Nur äußerst selten fressen sie tierische Nahrung wie Blattläuse, die sie geschickt von den Pflanzen absammeln.

Fortpflanzung

Je nach Witterungsverhältnissen beginnt das Männchen im Februar oder März mit der Balz. Hierbei wird der Reviergesang meist von erhöhten Singwarten vorgetragen. Beim Stieglitz singen auch die Weibchen, was in der Avifauna durchaus eine Seltenheit darstellt. Stieglitze führen eine monogame Saisonehe mit durchschnittlich zwei Jahresbruten. Das Nest wird vom Weibchen erbaut und befindet sich hoch oben in der Krone eines Baumes oder Gebüschs. Es wird in einer Astgabel oder an einem Astende gebaut. Es besteht aus feinen Stängeln, Halmen, kleinen Wurzeln, Moos und anderen Pflanzenfasern. Das Gelege besteht
aus durchschnittlich fünf Eiern, welche vom Weibchen bebrütet werden. Das Männchen versorgt in diesen 12-14 Tagen das Weibchen mit Nahrung. Während das Männchen die ganze Familie allein ernährt, hudert und füttert das Weibchen den Nachwuchs. Die Nestlingszeit beim Stieglitz dauert etwa zwei Wochen. Während das Männchen zunächst Weibchen und Nachwuchs allein ernährt, versorgt das Weibchen die Jungen bis diese keinen Schutz vor Kälte, Nässe und Feinden mehr brauchen. Nach etwa zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest und werden noch etwa vier Wochen außerhalb betreut.

Stieglitz am Futterplatz

Stieglitze treten nicht an allen Futterstellen auf. Entscheidend ist das angebotene Futter. Stieglitze bevorzugen kleinste Sämereien und Fettfutter. Da sie sehr geschickt sind, können sie mühelos an Futtersäulen oder bspw. am Welzhofer
Vogelschmaus nach Nahrung suchen. Hier kann es auch dazu kommen, dass gleich mehrere Stieglitze an einem Vogelschmaus hängen.

Frag den Böhm

Dürfen wir vorstellen? Stefan Böhm, Vogelexperte!

Die ganze Welzhofer-Familie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Diplom-Biologen, Artenschützer und Vogelfreund. Als 5-jähriger hat Stefan eine junge, verletzte Wacholderdrossel gefunden und gesund gepflegt. Seitdem schlägt sein Herz für die heimischen Vögel. Neben seiner Tätigkeit als Sachbuchautor und Herausgeber der Naturschutzzeitschrift „Spektiv“ ist er vor allem im Artenschutz aktiv.
Stefan Böhm ist der Welzhofer-Experte rund um Wildvögel, Artenvielfalt und Artenschutz.
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Vogelexperte Böhm